Unterelbe-Route der Industriekultur

Kulturlandschaft
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Die Region

Die Unterelbe-Region ist eine seit Jahrhunderten geschlossen wahrgenommene Landschaft. Denn weitgehend identische Einflüsse der Natur prägen das gesamte Gebiet an der Elbe von Hamburg bis Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) beziehungsweise Cuxhaven (Niedersachsen). Dazu gehören die Lage an einer seeschifftiefen Wasserstraße, der ständige Wechsel von Ebbe und Flut, das milde Klima mit relativ viel Wind sowie der Hochwasserschutz. Von den Wasserstraßen hat die Region stets profitiert, musste sich aber gleichzeitig gegen das Wasser wappnen. Ohne Hochwasserschutzanlagen würden die Marschen hier mit den Dörfern und Städten ständig überfluten und damit nahezu unbewohnbar sein.

Die strukturelle Leistungsfähigkeit bekam die Unterelbe-Region während des Industriezeitalters, weil seitdem eine ausgereifte Technik für den Verkehr und den Hochwasserschutz zur Verfügung stand. Heute prägen die historischen Relikte der Industriekultur nahezu flächendeckend das Gebiet. Dazu zählen vor allem Schiffe und Leuchttürme, Häfen, Schleusen und Brücken, die Deiche, Siele, Schöpf- und Sperrwerke sowie die eng mit der Elbe und den Nebenflüssen verbundenen Fabriken und Wassermühlen.

Für die Betriebe ist der preiswerte Wasserweg stets ein wichtiger Faktor gewesen: Darauf beruhte die Wirtschaftskraft der Region. Doch auch die gesamte übrige Infrastruktur liegt meistens am Wasser, nämlich an der Unterelbe und ihren Seitenarmen, am Nord-Ostsee-Kanal sowie den größeren Nebenflüssen der Region: Stör, Krückau, Pinnau, Wedeler Au, Este, Lühe, Schwinge und Oste. Eine Unterelbe-Route der Industriekultur würde sich also stark an diesen Wasserwegen orientieren.

Tage der Industriekultur am Wasser

Einige der Technischen Denkmale und anderen historischen Objekte werden bereits alle zwei Jahre während der „Tage der Industriekultur am Wasser“ vorgestellt. 2017 veranstaltete die Metropolregion Hamburg dieses kulturtouristische Wochenende zum vierten Mal. Doch die Unterelbe-Region mit ihrem eigenen Charakter ist viel kleiner als das Gebiet der „Tage der Industriekultur am Wasser“, nämlich die Metropolregion. Für die gesamte Metropolregion aber gilt: Sie ist kein Land der Schornsteine, sondern ein Land der Gewässer und der weiten Landschaft – mit vielen kleinen, aber durchaus interessanten Technischen Denkmalen. Einige von ihnen haben sogar einen Schornstein. Die Faszination aber bietet das Wasser, als sich bewegendes, typisches Element dieser Landschaft. Eine Reise zur Industriekultur ist in der Metropolregion Hamburg deshalb auch immer ein attraktives Natur- und Landschaftserlebnis.

Vereine und andere Initiativen, Privatpersonen sowie Kommunen und andere öffentliche Träger pflegen die Technischen Denkmale und anderen Objekte der Industriekultur. Sie informieren darüber und öffnen sie zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“, aber erst in wenigen Fällen auch zu anderen Zeiten regelmäßig. Andererseits finden die „Tage der Industriekultur am Wasser“ nur relativ selten – alle zwei Jahre – statt.

Für ein ganzjähriges touristisches Angebot wurden deshalb in einem ersten Schritt die regionalen Routen entwickelt, welche bisher für zwei Städte – Neumünster und Schwerin – erschienen sind. Hier werden in einem Flyer etwa 20 Objekte der Industriekultur mit Erläuterungen, Fotos und Karte präsentiert, die sich jeder selbst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto erschließen kann. Einbezogen werden hier auch Objekte, die bisher bei den „Tagen der Industriekultur am Wasser“ keine Rolle gespielt haben, unter anderem weil der Wasser-Bezug fehlt. Dazu zählen beispielsweise Eisenbahnanlagen und Windmühlen sowie „wasserferne“ Fabriken.

Die Unterelbe-Route

Wir wünschen uns eine solche Route auch für die Unterelbe-Region. Doch lässt sich diese Region nicht sinnvoll auf einem oder zwei Flyern unterbringen, weil sie dafür sowohl von der Fläche wie auch von der Anzahl der Objekte zu groß ist. Außerdem bietet sie ein Potenzial, welches sich mit Sicherheit vielfältiger nutzen lässt. Gleichzeitig ist der gemeinsame Auftritt der Unterelbe-Region wichtig. Sie ist durchgängig eine über Jahrhunderte von Menschen geformte Kulturlandschaft. Es geht darum, dass Besucher die Landschaft als Ganzes verstehen, die großen und kleinen Elemente „lesen“ zu lernen. Denn die Geschichte von wenigen Objekten lässt sich auf viele andere Orte in der Region übertragen, auch wenn es dort von derartigen Objekten nur noch Relikte gibt. Bei der Informationsvermittlung helfen die hiesigen kultur- und technikhistorischen Museen.

Es gibt also eine kleine Anzahl von Leitobjekten sowie eine große Zahl von Relikten in der Region. Leitobjekte wären die heute noch in Funktion vorzeigbaren Industriedenkmale, also bestimmte Schiffe, Häfen, Leuchttürme und Schleusen, bewegliche Brücken (Schwebefähre Osten, Drehbrücke Klevendeich), die Ringofenziegelei in Drochtersen, das Schöpfwerk Otterndorf und die Windschöpfmühle Honigfleth. Die Ziegelei und die Windschöpfmühle zum Beispiel sind in der Region inzwischen die einzigen Objekte ihrer Art, waren aber für die gesamte Unterelbe-Region sehr typisch. Die in der Region hergestellten Ziegel und der in drei Zementfabriken hergestellte Zement waren – ebenso wie landwirtschaftliche Produkte – lange die wichtigste Fracht für die vielen Schiffer der Region.

Die Industriekultur der Unterelbe-Region soll also über die zwei Tage der Veranstaltung „Tage der Industriekultur am Wasser“ hinaus dauerhaft erlebbar gemacht werden. Die Vermittlung würde mit Kartenmaterial, Texten und Bildern auf Papier oder Schildern, aber eben auch in audiovisueller Form mithilfe neuer Medien erfolgen. Dabei ließe sich das bisherige, zu den einzelnen Objekten recht knapp gehaltene Informationsangebot punktuell deutlich intensivieren, zum Beispiel mit authentischen Geschichten aus der Arbeitswelt der Industriekultur.

Ziel ist es insgesamt, die touristische Wertschöpfung zu steigern, das Image der Region zu verbessern und eine stärkere Identifikation der Einheimischen mit ihrer Region zu schaffen.
Mit einem oben beschriebenen Angebot würden Reiseanlässe geschaffen und damit die Verbindung von Industriekultur und Tourismus stärker als bisher der Fall geschaffen. Dabei würde eine solche Unterelbe-Route der Industriekultur vordergründig den an Kultur und Technik Interessierten ansprechen, indirekt aber auch den aktiven Urlauber und Erholungssuchenden, der mit dem Fahrrad unterwegs ist. Denn alle Objekte sind Teil einer reizvollen Naturlandschaft. Die Kombination von interessanten Zielen und faszinierender Landschaft – Industriekultur und Natur – macht die besondere Attraktivität des Angebotes aus.
Doch das Angebot bietet keine klassischen Besuchermagnete – es entwickelt seine Attraktivität als Gesamtsystem. Für uns stellen sich deshalb die zentralen Fragen:

  • Welche Form der Vermittlung ist hier sinnvoll?
  • Wie können moderne didaktische Methoden eingesetzt werden; stellt bspw. Storytelling einen passenden Vermittlungsansatz für unsere Themen dar?
  • Welche Kanäle (online und/oder print) sind sinnvoll?
  • Ist es sinnvoll, sich bei den zu vermittelnden POIs zunächst auf bestimmte Themengruppen zu konzentrieren, und wenn ja: wie sollten diese Themengruppen zugeschnitten sein (bspw. Häfen, Wasserbauliche Anlagen, maritime Bauwerke, Seezeichen)?

Hierauf erhoffen wir uns Antworten durch ein Coaching.

Die Arge Maritime Landschaft Unterelbe als Trägerin dieser Bewerbung ist eine länderübergreifende Arbeitsgemeinschaft von 22 Kreisen, Städten und Gemeinden an der Unterelbe zwischen Hamburg und der Nordsee. Auch die Länder Hamburg und Niedersachsen sind beratende Mitglieder. Gemeinsam verfolgen die angeschlossenen Kommunen das Ziel, die maritime Kulturlandschaft der Region weiterzuentwickeln und zu einem integralen Baustein von Aufenthaltsqualität und Naherholung zu machen. Produkte und Angebote unserer Einrichtung sind:

• Broschüre „Skipper Guide – Yacht- und Sportboothäfen Maritime Landschaft Unterelbe“
• Freizeitkarte „Maritime Landschaft Unterelbe“
• Website-Angebot www.maritime-elbe.de mit Übersicht der maritimen Freizeitangebote in der Region
• Betrieb des Infozentrums „Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe“ u.v.m.

Kontakt:
Arge Maritime Landschaft Unterelbe
-Geschäftsstelle-
Kirchensteig 30
21720 Grünendeich

Ansprechpartner: Matthias Bunzel
Telefon: 04142 889410
Mail: m.bunzel@maritime-elbe.de
Internet: www.maritime-elbe.de
Facebook: https://www.facebook.com/maritime.elbe

MLU2017,

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