Schatzinsel Eiderstedt - Kulturliebe auf den 2. Blick

Culturcamp Contest, 1 Kommentar
  • Innovation 7.5
  • Umsetzbarkeit 7.5
  • Praxisnutzen 7.5
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Mit dem Rückenwind von St. Peter-Ording und den Naturschönheiten des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer vor der Haustür steigen auch die Tourismuszahlen auf Eiderstedt. Haubarge und Kirchtürme prägen die Landschaft so, wie anderswo Herrenhäuser, Burgen und Schlösser. Doch wenn man sich von der Hauptbühne rund um St. Peter-Ording wegbewegt, gibt es außerhalb des Rampenlichts noch viel mehr zu sehen...
Das Publikum besteht aus Natur- & Gesundheitstouristen sowie Familien. Entschleuniger eben, die mit der einmaligen Inszenierung der Jahreszeiten (ein Drama in vier Akten - manchmal auch an einem Tag) ein Naturschauspiel erster Klasse hautnah erleben, getreu des Wattenmeer-Mottos „Es gibt einen Ort wo Himmel und Erde eine Bühne teilen“. Die Destination als Bühne

Ausgangslage
Watt, Wind, Weite und ein grenzenloser Blick bis zum Horizont. Weidende Schafe, vom Wind abgeschrägte Bäume und kleine Warften säumen die Landschaft. Nicht Burgen oder Schlösser prägen die Landschaft, sondern Haubarge und Kirchtürme als höchste Erhebungen – und davon gleich eine ganze Menge. Die Halbinsel Eiderstedt birgt wahre Schätze in sich, darunter auch die 20 bezaubernde Kirchen. Sturmfluten, Sandverwehungen und Landgewinnungsmaßnahmen prägen nicht nur die Geschichte der Kirchen, sondern auch die der Einwohner und Traditionen.
Die lebendige Künstlerszene vor Ort bietet Gastgebenden sowie Touristen eine einmalige Vielfalt an lokaler und regionaler Kultur, dazu oftmals kulinarische Köstlichkeiten in zahlreichen Hofläden und Gaststätten.
Veranstaltungsreihen wie die „Eiderstedter Kultursaison“ und der „Kulturhimmel“ locken zahlreiche Besucher auf die Halbinsel. Diese Veranstaltungen bieten die Möglichkeit für Begegnungen mit Einheimischen und Zugezogenen, die gerne über ihre (Wahl-)Heimat erzählen. Entgegen vieler Vorurteile sind die Nordfriesen gar nicht so wortkarg wie so manch’ einer vermuten mag. In der seit 5 Jahren stattfindenden und erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Erzähl mir was auf Eiderstedt”, lassen „norddeutsche Urgesteine“ authentische Einblicke hinter die Kulissen besonderer Orte zu. Mit der Erstellung der neuen Webseite der Halbinsel spo-eiderstedt.de durch die Lokale Tourismus Organisation (LTO) inklusive Darstellung der Gemeinden als „Erlebnisdörfer“, wurde die jahrelange Flaute im Destinationsmarketing der Halbinsel überwunden.

Dieser frische Wind bringt zwar neue Besucher, kann aber noch nicht optimal genutzt werden, um überregional Wellen zu schlagen. Die mehr als 100 Kulturschaffenden Eiderstedts haben das ehemalige Kirchturmdenken weitestgehend überwunden und sind bereit an einem Strang zu ziehen. Die Eiderstedter Kultursaison e.V. erstellt jährlich einen Kulturreiseführer von guter Qualität, dennoch darf sich auf den ersten Erfolgen nicht ausgeruht werden, sondern die Luft, die nach oben bleibt, muss ausgenutzt werden.

Herausforderung
Tourismus- und Wirtschaftsstruktur sind geprägt von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Auch die Tatsache, dass es kaum Ansiedlungen überregional tätiger Firmen gibt, erschwert ein Sponsoring Konzept für den Kulturtourismus auf Eiderstedt. Die regionale Wirtschaft ist nach wie vor durch eine Abhängigkeit von den Ferienzeiten (der Sommermonate) geprägt. Die Touristiker der Tourismusvereine, insbesondere die Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording in ihrer Führungsrolle der seit 2015 vereinbarten Lokalen Tourismus Organisation St. Peter-Ording/Eiderstedt sind dankbar für die kulturellen Angebote, können aber keine finanzielle Zusatzbelastung eingehen. Die kulturellen Schätze der Region sind derzeit nur touristisch nachrangig und identitätsstiftend nach innen. Die Bedeutung des Themas Kultur in seiner bisherigen In-Wert-Setzung ist bisher nicht ausreichend ausgeprägt. Gründe sind hier nicht zuletzt in den überwiegend ehrenamtlichen und unterfinanzierten Strukturen des Kulturraums zu finden. Ohne Zweifel: Die Region und der Tourismus leben mit Abstand klar von den Themen „Strand & Baden“ sowie dem großen Thema des „Naturerlebnis“, mit dem Pfund des Weltnaturerbes Wattenmeer. So kann Kultur zwar den großen Reisemotiven der Gäste derzeit nicht ansatzweise das Wasser reichen; Dennoch sehen Kulturschaffende und Touristiker gleichermaßen Chancen und Potenziale für eine deutliche Aufwertung des Gesamtthemas „Kulturerlebnis“, verbunden mit dem Bewahren und Inszenieren des Kulturangebots.

Die KünstlerInnen vor Ort sprudeln vor Ideen und würden ihre Kreativität gerne weiter ausleben, indem sie sich ausschließlich der Produktgestaltung widmen und nicht um das Marketing bzw. die Wertschöpfung kümmern müssen. Denn ohne schlüssigen Marketingplan scheitert selbst die beste Idee.
So schlummern auf Eiderstedt Schätze, die auf Grund mangelnder finanzieller Mittel, fehlender Erfahrung, ehrenamtlicher Strukturen und ungeklärter Zuständigkeiten noch nicht gehoben werden konnten. Da es für das Konzept der Arbeitsteilung bislang keine Lösung gibt, wird ein Koordinator benötigt, welcher auf der einen Seite die nötige Marketingerfahrung und auf der anderen Seite das kulturelle Verständnis mitbringt, um beide Seiten enger miteinander zu verknüpfen und Lösungen auszuarbeiten.

Momentan wird auf den vielen kleinen Bühnen zwar auf hohem Niveau gespielt, aber kulturelle Begegnungen geschehen eher zufällig, da Urlauber Blicke nur schwer von der großen Bühne abwenden. Wer auf Schatzsuche geht, wird belohnt – die Resonanzen der Gäste sprechen für sich. Nun ist es Zeit sich entweder von den kleinen Bühnen zu verabschieden und den Vorhang fallen zu lassen -
oder:
die Chance zu nutzen, auch die kleinen Bühnen noch professioneller zu bespielen, in einem großen Programm zusammen zu inszenieren und den Vorhang nun immer wieder aufgehen zu lassen. Viele Geschichten, Kulturgüter, Kunst werden so in die Neuzeit getragen und erlebbar. So werden Landschaft und Geschichte lebendig.

Zielsetzung – wer wird Regisseur
Die Spieler sind da, verhalten sich aber momentan noch wie Statisten. Anders als professionelle Schauspieler haben sie nie gelernt sich richtig in Szene zu setzen. Es fehlt ist ein Regisseur, der das reichhaltige kulturelle Angebot in Szene setzt und durch zielgerichtetes Marketing die Sichtbarkeit der Schätze auf Eiderstedt erhöht.
Es fehlt eine Persönlichkeit zur Bündelung und zentralen Verwaltung des Kulturangebots, welche auch den Netzwerkgedanken und die Beziehungen zwischen Touristikern und Kulturschaffenden fördert; Ein Charakter, der Organisationstalent, kommunikative, kreative und strategische Fähigkeiten vereint.
In diesem Atemzuge sollte Kultur vermehrt in das touristische Marketing Eiderstedts aufgenommen werden und die Zusammenarbeit durch den einheitlichen Ansprechpartner mit den Tourismusvereinen und der Tourismus-Zentrale verstärkt werden. Die Kulturschaffenden haben so die Möglichkeit, nebeneinander und unabhängig zu wirtschaften und trotzdem Teil eines ganzheitlichen Marketingplans zu sein.
Besuchern und Einheimischen soll eine Orientierung gegeben, sowie ein (zusätzlicher) Reiseanreiz - besonders in der Vor- und Nachsaison, geschaffen werden. Mit der Inszenierung des Kulturprogramms sollen multithematische Routen gestaltet werden, die die Vielfalt der Reichtümer Eiderstedts wiedergeben. Dabei soll auf der bereits bespielten Bühne der Natur aufgebaut, der Einklang zwischen Natur und Kultur betont und deren gegenseitige Prägung herausgestellt werden. Durch Aufbereitung der kulturellen Mannigfaltigkeit der Halbinsel sollen längere Aufenthaltsdauern erzielt und die Saisonalität des Tourismus verringert werden. Den zahlreichen Stammgästen und wiederkehrenden Entdeckern werden zusätzliche Programmpunkte für das durchaus vorkommende norddeutsche Schietwetter geboten.
Die Region hat eine Seele, es wird nur noch ein Regisseur gebraucht, der diese nach außen trägt. Über das Charisma der Region sollen Einheimische erreicht und vor allem junge und kreative Menschen eingebunden werden. Der Ausbau des Kulturprogramms kann als Multiplikator für die Wahrnehmung der Region als attraktiven Lebensraum wirken.

Mögliche Theaterstücke auf der Bühne
Was andernorts Burgen und Schlösser als Kulisse bieten, könnten auf Eiderstedt die Kirchen und Haubarge sein:

Beispiel 1: Kirchturmgeflüster
Geschichten von Sturmfluten, Zufluchtsorten, Dörfern, Kirchen und Einheimischen werden an authentischen Orten inszeniert erzählt.

Beispiel 2: Das gläserne Atelier
In einer möglichen Umnutzung von kulturhistorisch-bedeutenden Gebäuden wird ein „gläsernes Atelier“ einrichtet, welches von Künstlern monatsweise/quartalsweise angemietet werden kann. Ausstellungen und ein Künstlercafé, Lesungen und Workshops beleben die Häuser im neuen Glanz.

Das grobe Drehbuch ist geschrieben, wurde allerdings noch nicht erprobt. Lampenfieber liegt in der Luft. Momentan fehlt noch die nötige Disziplin und Durchsetzungskraft, die unter der richtigen Regieleitung großes Potential für viel mehr hat. Dabei geht es gar nicht um die Perfektion und das richtige Make-up, sondern um das Lokale, Authentische und Ungeschminkte um die Schatzinsel in ihrem Zauber zu entdecken.

LTO St.Peter-Ording_Eiderstedt,

Kommentare (1)

  • SteinertLisa

    Toll! Ich drücke die Daumen