Imke Wemken verrät uns, wie neue Ansätze in Ostfriesland entwickelt wurden und wie es nach dem Projekt „Die Destination als Bühne“ weitergeht.

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Am 30. Juni geht das Projekt „Die Destination als Bühne“ zwar offiziell zu Ende, die gemeinsam erarbeiteten Inhalte und Ergebnisse werden aber vor Ort weitergeführt und entwickelt. Zeit also für einen ersten Rückblick und einen Ausblick auf zukünftige Pläne und Projekte der beteiligten Modellregionen. Wir haben also die Destinationsmanager befragt, was ihnen das Projekt gebracht hat und woran sie in den nächsten Monaten weiter arbeiten werden. Dazu haben wir Imke Wemken, Geschäftsführerin der Ostfriesland Tourismus GmbH, befragt:

1.Welchen Mehrwert hat Ihnen das Projekt „Die Destination als Bühne“ gebracht?
Der Kulturtourismus in Ostfriesland hat bereits seit 2007 eine besondere Rolle bei uns in Ostfriesland gespielt. Über die Gründung des Kulturnetzwerks Ostfriesland und die Ausrichtung von kulturtouristischen Themenjahren wurden besondere Impulse innerhalb der Region gesetzt. Somit waren wir Ostfriesland in der glücklichen Position, bereits auf viele Erfahrungen und Ansätze zurückgreifen zu können. Mit dem Projekt haben wir nun einen nächsten wichtigen Meilenstein erreicht und Ansätze für eine Strategie zum Aufbau einer regionalen Kulturmarke entwickelt, die auch stark genug ist, um als Imageträger für Ostfriesland im Bereich Sponsoring und Marketing zu fungieren.
Ein Beispiel: Mit der kulturtouristischen Inwertsetzung sind positive Auswirkungen auf die Lebensqualität von Gästen und Einheimischen verbunden. Hiervon profitieren auch die vielen Unternehmen in der Region, da sie ihren Mitarbeitern einen Arbeitsplatz in einer attraktiven Region bieten können. Gerade auch im Bereich der Personalakquise spielt der Kulturtourismus eine wichtige Rolle. Das Projekt hat uns gezeigt, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, welche strategischen Partnerschaften wir benötigen und wie die Kommunikation nach außen dazu aussehen muss.

2. Welche einzelnen Inhalte und Aktivitäten waren aus Ihrer Sicht besonders wertvoll für Ihre Region?
Aus unserer Sicht hat das Projekt in vielerlei Hinsicht wertvolle Denkanstöße und hilfreiche Impulse für unsere Tourismusarbeit gegeben. Auch wenn wir uns über viele Aspekte vielleicht vorher durchaus bewusst waren, haben wir sie nochmals aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und die Ergebnisse ganz prägnant auf den Punkt gebracht. So sind Ostfriesen beispielweise Sprachoptimierer! Bei uns heißt es schlicht und einfach „Moin“ und nicht „Moin. Moin“, denn das ist bereits Geschwätz. Für Außenstehende mag das manchmal schrullig klingen, aber die Ostfriesen machen einfach, ohne viele Worte darüber zu verlieren – das ist einfach ihre über Jahrhunderte gewachsene Mentalität. In unseren Workshops haben wir uns u.a. intensiv mit dem auseinandergesetzt, was Ostfriesland und auch den Ostfriesen an sich so ausmacht. Diese Verdichtung der Markenkernwerte, mit besonderem Blick durch die kulturtouristische Brille, war ein spannender und sehr wertvoller Prozess. Wenn man so mittendrin steckt, sieht man ja oftmals den Wald vor Bäumen nicht. Die Begleitung durch Heike Bojunga (Sandstein Kommunikation) und Thomas Feil (dwif-Consulting GmbH) war dabei sehr hilfreich.

3. Was haben Sie (und ggf. weitere Akteure aus der Region) im Rahmen der Projektumsetzung gelernt?
Bei einem so vielschichtigen Thema wie Kulturtourismus ist die Kommunikation mit den unterschiedlichen Partnern einfach der Dreh- und Angelpunkt. Natürlich ist es nicht immer einfach, die unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen unter einen Hut zu bringen. Aber es lohnt sich, am Ball zu bleiben. Die Zusammenarbeit in der Region war auch vorher schon gut, aber nun hat das Miteinander nochmals eine ganz andere Qualität bekommen. Wir haben unsere Partner aus einer nochmals neuen Perspektive kennengelernt. Das gegenseitige Wissen sorgt für mehr Verständnis füreinander und hebt die Zusammenarbeit erneut auf eine andere Ebene.

4. Wie kann – nach Ihren Erfahrungen aus dem Projekt - Kulturtourismus ländliche Regionen stärken?
Kulturtourismus ist das Salz in der Suppe. Verknüpft man kulturtouristische Aspekte mit allem anderen, was eine Region ausmacht, gewinnt eine Destination an unverwechselbarem Profil. Kulturtourismus ist dabei ganz breit zu definieren: Für Ostfriesland gehört dazu die plattdeutsche Sprache ebenso, wie die Teezeremonie oder auch der ganz spezielle Humor der Ostfriesen.

5. Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?
Es muss engagierte Akteure mit hoher Regionalkenntnis geben, die bereit sind, sich zeitlich und auch längerfristig in einen solchen Prozess einzubringen. Und zusätzlich muss es natürlich jemand bereit sein, sich hauptsächlich dafür verantwortlich zu zeichnen. Also ein echter Networker oder Kümmerer, der das Zepter in die Hand nimmt, gute Kontakte in der Region pflegt und den Prozess permanent am Laufen hält.

6. Wie geht es weiter?
Wir haben im Rahmen des Projektes sehr viele neue Erkenntnisse erhalten und Ideen entwickelt. Diese Ansätze sollen natürlich nicht in der Schublade verschwinden. In den Folgemonaten wird es also darum gehen, ein solides Finanzierungskonzept auf sichere Beine zu stellen sowie Sponsoren und Multiplikatoren ins Boot zu holen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der zentrale Kümmerer, den es durch die partizipierenden Einrichtungen, Teilregionen und idealerweise auch Sponsoren gemeinsam zu finanzieren gilt.

7. Inwiefern planen Sie eine Fortsetzung der im Projekt angestoßenen bzw. durchgeführten Aktivitäten?
Mit der noch anstehenden Einrichtung der Projektstelle eines Kümmerers wird nicht nur eine Fortführung der bisherigen, erfolgreichen Aktivitäten angestrebt, sondern durch die feste Verankerung der kulturtouristischen Arbeit ist damit sogar eine qualitative Weiterentwicklung der kulturtouristischen Vermarktung der Region verbunden.

8. Was empfehlen Sie anderen ländlichen Regionen, die den Kulturtourismus entwickeln möchten?
Ganz klar: Sich auf die eigenen Stärken besinnen. Wichtig ist es dabei, die verschiedenen kulturtouristischen Akteure an einen Tisch zu holen und in den aktiven Dialog einsteigen. Jeder Partner hat seine ganz eigene Auffassung von Kulturtourismus. Es gilt also, diese unterschiedlichen Dimensionen des Kulturtourismus zu erfassen und daraus Prioritäten abzuleiten. Ziel sollte es ganz klar sein, das unverwechselbare Alleinstellungsmerkmal und den Markenkern einer Region herauszuarbeiten. Dies ist dann der elementare Ausgangspunkt für die spätere Angebotsentwicklung und das dazugehörige Marketing.

Heike Bojunga,

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