6 Fragen an... Elke Witt (WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg)

Kulturlandschaft
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In den kommenden Wochen und Monaten werden auf www.culturcamp.de Verantwortliche aus den 5 Modellregionen zu ihren Plänen in ihrer jeweiligen Destination interviewt. Ziel ist es einen Einblick in den Arbeitsalltag innerhalb der Regionen zu gewinnen und darüber hinaus, Projektionsflächen für die Arbeitsfelder der Leserinnen und Leser zu kreieren. Wir freuen uns, dass wir das fünfte Interview mit Elke Witt führen durften.

Elke Witt ist die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg. In dieser Funktion ist sie mit Ihrem Team für die Vermarktung der UNESCO-Welterbeorte Lutherstadt Wittenberg (»Martin Luther und die Reformation«), Dessau-Roßlau (»Bauhaus«), Köthen (»Johann Sebastian Bach«), Oranienbaum-Wörlitz (»Dessau-Wörlitzer Gartenreich«), des bei Gräfenhainichen gelegenen Museums- und Veranstaltungsstandorts Ferropolis (»Musikfestivals« und »Industriekultur«) sowie für den ländlichen Raum zwischen jenen Leuttürmen zuständig. Die seit Dezember 2016 erhältliche Touristenkarte »WelterbeCard« erweitert das enorme Spektrum ihrer Aufgabenfelder.

1. Liebe Frau Witt, was reizt Sie an der Arbeit im ländlichen Raum?
Die Arbeit in der WelterbeRegion bietet unglaublich viel Abwechslung. Das touristische Angebot ist vielfältig, die Region reich an Geschichte, UNESCO-Welterbe und bietet auch gerade im ländlichen Raum noch versteckte Schätze. Mit dem Biosphärenreservat Mittelelbe, den Naturparks Fläming, Dübener Heide und Unteres Saaletal sowie den Bergbaufolgeseen ist die WelterbeRegion ein idealer Ort zur Entschleunigung. Was die Region ebenfalls besonders auszeichnet, sind die Verbindung von kulturellen Angeboten und besonderen Veranstaltungsorten. So zum Beispiel der Gartenreichsommer mit Theatervorführungen und Konzerten inmitten des von der UNESCO geschützten Gartenreiches Dessau-Wörlitz. Oder die Köthener Bachfesttage mit besonderen Konzertformaten an verschiedenen kleinen Orten im Köthener Schloss und der Altstadt. Oder auch die besonders bei der jüngeren Zielgruppe beliebten Festivals in Ferropolis – der Stadt aus Eisen, die mit fünf ehemaligen Tagebaugroßgeräten eine einmalige Kulisse bildet. Dies alles gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort für die Gäste erlebbar zu machen, ist eine spannende fordernde Aufgabe.

2. Gegen welche Blockaden stoßen Sie regelmäßig?
Was uns bei der Arbeit im Tourismusverband immer mal wieder Stolpersteine in den Weg wirft, sind die teilweise noch schwachen Strukturen. Es gibt kreative Akteure, die Visionen entwickeln und damit das touristische Angebot erweitern. Um flächendeckend, gerade auch im ländlichen Raum ein breites Angebot für die Gäste bieten zu können, würde ich mir noch mehr kreative und aktive Köpfe wünschen.

3. Welches Projekt würden Sie starten, wenn Sie – ungeachtet der bekannten, schwierigen Budget- und Personalfragen – einfach loslegen könnten?
Die WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg ist ein ideales Urlaubsgebiet für fahrradbegeisterte Gäste. Sieben überregionale Radwege vernetzen das Gebiet und verbinden die kulturellen Angebote in den touristischen Hotspots mit den kleinen, teilweise noch unbekannten Schätzen in der Umgebung. Ein großer Wunsch von mir ist die Komplettinstandsetzung dieser Radwege inklusive einer flächendeckenden einheitlichen touristischen Ausschilderung. Das alles am liebsten in Verbindung mit der Schaffung von Angeboten für E-Bikes und einer umfassenden Marketingkampagne für den Radtourismus. Aber auch die Verbesserung der Erreichbarkeit der touristischen Angebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gerade auch im ländlichen Raum, ist ein Thema, welches mir unter den Nägeln brennt.

4. Was versprechen Sie sich vom Projekt „Die Destination als Bühne – wie macht Kulturtourismus ländliche Regionen erfolgreich“?
Ein Ziel in unserer Verbandsarbeit ist es, neben den zentralen touristischen Leuchttürmen auch das Kultur- und Freizeitangebot im ländlichen Raum bekannter zu machen. Von diesem Projekt erhoffen wir uns neue Denkanstöße, wie dies gelingen kann, wie wir dabei auch neue Zielgruppen ansprechen können und junge Menschen für die Region begeistern. Mit der Unterstützung der Projektpartner und in Zusammenarbeit mit den Touristikern der Region möchten wir neue Ansätze erarbeiten, wie die Festivalbesucher in Ferropolis zu neuen Gästen für die Region oder zu Multiplikatoren werden können.

5. Warum sollten mehr Besucher in Ihre Region kommen und was ist Ihr Geheimtipp für Ausflügler?
Kultur, Natur und Aktivangebote – diese Mischung zeichnet die WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg aus. Mein Tipp für unsere Gäste: Mit der WelterbeCard kann man diese Vielfalt bestens erleben. Die Gästekarte beinhaltet 86 Leistungen, die je nach Kartenart innerhalb von 24 Stunden oder an drei Tagen genutzt werden können. Neben den Eintritten in die Luthergedenkstätten in Wittenberg, das Dessauer Bauhaus und zahlreiche Schlösser und Parks des Gartenreiches Dessau-Wörlitz führt die Karte den Gast auch zu teilweise noch verborgenen Schätzen. So zum Beispiel der Irrgarten Altjeßnitz, der größte unter den historisch erhaltenen Hecken-Irrgärten Deutschlands. Oder in den Märchengarten „Paradies“ in Bernburg (Saale). Hier findet der Gast einen wunderschönen Märchengarten, in dem elf Grimmsche Märchen auf einer Fläche von über 2.000 m² dargestellt werden. In dem kleinen Dorf Reppichau ist das erste Freilichtmuseum deutscher Rechtsgeschichte und das besondere Kunstprojekt Sachsenspiegel zu besichtigen. Die großen und kleinen kulturellen Angebote können dabei immer mit aktiven Angeboten kombiniert werden. Beispielsweise mit einer Radtour mit einem Leihfahrrad ab Ferropolis oder Dessau, einer Paddeltour auf der Elbe, oder auch Wakeboarden oder Stand Up Paddling auf der Goitzsche.

6. Was planen Sie in Ihrer Region als Nächstes?
Nach dem großen Reformationsjubiläum im Jahr 2017, welches in der WelterbeRegion mit zahlreichen Angeboten und Veranstaltungen gefeiert wird, bereiten wir uns bereits jetzt auf das nächste bevorstehende Jubiläum vor: Im Jahr 2019 feiert das Bauhaus das 100-jährige Gründungsjubiläum. Und das selbstverständlich auch in der Bauhausstadt Dessau, wo Walter Gropius 1926 die Hochschule für Gestaltung eröffnete. Seit April veranstaltet das Bauhaus Dessau die Ausstellung „Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus“ als Prolog zum großen Jubiläumsjahr 2019. Und im Stadtzentrum Dessaus wird derzeit das neue Bauhausmuseum gebaut, welches 2019 fertiggestellt werden soll.

Vielen Dank für das Interview!

Culturcamp-Redaktion,

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