6 Fragen an... Dr. Nikolaus Faulstroh (Garmisch-Partenkirchen)

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In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir auf www.culturcamp.de Verantwortliche aus den 5 Modellregionen zu ihren Plänen in ihrer jeweiligen Destination interviewen. Ziel soll es sein einen Einblick in den Arbeitsalltag innerhalb der Regionen zu gewinnen und darüber hinaus, Projektionsflächen für die Arbeitsfelder unserer Leserinnen und Leser zu kreieren. Wir freuen uns, dass wir das vierte Interview mit Dr. Nikolaus Faulstroh führen durften.

Dr. Nikolaus Faulstroh ist seit Juli 2016 als Landkreis-Koordinator am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen für die Bayerische Landesausstellung 2018 tätig. In dieser Funktion ist er insbesondere für die Bewerbung der Veranstaltung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sowie in den umliegenden Landkreisen tätig und organisiert und koordiniert das umfangreiche Rahmenprogramm im Landkreis mit über 60 Veranstaltungen. Culturcamp.de interviewte den promovierten Historiker zur Region Garmisch-Partenkirchen.

1. Herr Dr. Faulstroh, wieso haben Sie sich für die Region Garmisch-Partenkirchen entschieden?
Die Region ist geprägt durch ein reichhaltiges Kulturangebot. Sie steht auch heute noch zu ihren Traditionen und besitzt zudem eine einzigartige Naturlandschaft. Sowohl das Sommer- als auch das Winterfreizeitangebot sind immens und ich erfreue mich am reichhaltigen Ski- und Wassersport Angebot.
Zur Region habe ich auch einen persönlichen Bezug da mein Vater und mein Großvater im Ort Eschenlohe, nahe Garmisch-Partenkirchen, ein Ferienhaus besessen haben und wir als Kinder auch regelmäßig hierher kamen.

2. Ihre Region ist als Urlaubsregion unter verschiedenen Namen bekannt. Wie ist die Abgrenzung dieser Tourismusregionen zu verstehen?
Als Landkreis-Koordinator bin ich für die Bewerbung der Landesausstellung im gesamten Landkreis zuständig. Dieser Landkreis ist touristisch jedoch kaum als eine einheitliche Region zu begreifen. Da gibt es Werdenfelser und Blaues Land sowie viele andere Bezeichnungen. Eine Herausforderung bei meiner Arbeit ist die Koordination der weitgehend autonom agierenden vier Tourismus-Talschaften: das Blaue Land, das Zugspitzland, die Alpenwelt Karwendel und die Ammergauer Alpen .
Hier gibt es einige Hürden, die zu überwinden sind. Die Landesausstellung ist für den gesamten Landkreis ein wichtiges Ereignis und daher soll das Rahmenprogramm auch für alle gelten.

3. Sie sind in Oberbayern aufgewachsen: Warum sollten Besucher nach Südbayern kommen und was ist Ihr Geheimtipp für Ausflügler?
Alleine die natürliche Schönheit der Region begeistert. Trotz der starken touristischen Erschließung leben die Traditionen fort, gerade in den ländlichen Regionen wie dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen.
Kulturell interessante und weniger bekannte Ausflugsziele sind z.B. die zahlreichen Jagdhütten und Bergresidenzen der bayerischen Königsfamilie. Sie liegen meist abgelegen in den Bergen an märchenhaften Stellen und sind oft nur durch lange Fußmärsche zu erreichen.

4. Das wichtigste Projekt für das nächste Jahr in Ihrer Region ist die Bayerische Landesausstellung unter dem Thema „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“, die von Mai bis November 2018 in Kloster Ettal stattfinden wird. Was erwarten Sie sich hiervon für die Region?
Ich glaube, dass die Landesausstellung eine gute Gelegenheit ist zu begreifen, dass nicht jeder „sein eigenes Süppchen kochen“ soll, sondern eine echte, konstruktive und damit effiziente Zusammenarbeit zwischen den vielen Touristikern notwendig ist, um z.B. die Übernachtungszahlen in der Region weiter zu verbessern.
Ein Versuch in diese Richtung ist die Aushandlung von Kombitickets zwischen den Veranstaltern und regionalen Verkehrsunternehmen. Dadurch soll es für Einheimische und Touristen gleichermaßen einfacher und günstiger werden, die Landesausstellungen sowie das reichhaltige Rahmenprogramm im Landkreis wahrzunehmen.
Mit der Landesausstellung und den zahlreichen Highlights im Rahmenprogramm rückt die Region wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit, was sich auch auf die Besucherzahlen niederschlagen wird.

5. Was versprechen Sie sich vom Projekt „Die Destination als Bühne – wie macht Kulturtourismus ländliche Regionen erfolgreich“?
Es wäre schön, wenn historisch gewachsene Gegensätze innerhalb von Regionen dadurch abgebaut werden könnten. Bestimmte Teile in Bayern und Tirol haben über Jahrhunderte eine politische Einheit gebildet, weshalb wir hier von „ähnlichen Mentalitäten“ sprechen können. Der bekannte „Weißwurstäquator“ ist ein Problem. Er wird zwar meist belächelt spielt aber im kulturellen Bereich eine maßgebliche Rolle.
Für unsere Region wird das Projekt nur erfolgreich sein, wenn dieses Problem bei der Ausarbeitung einer Tourismusstrategie berücksichtigt wird.
Bei uns am südlichsten Ende Deutschlands heißt das konkret, dass die Bayern und die Tiroler in ihren Mentalitäten mehr gemeinsam haben als z.B. die Oberbayern und die Franken. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tirol im touristischen Bereich wäre daher vielversprechend und zielführend.

6. Was ist in Ihrer Region nach der Landesausstellung als Großprojekt geplant
Das nächste Großprojekt sind die Passionsspiele in Oberammergau im Jahr 2020. Da dieses Ereignis nur alle Jahrzehnte wiederkehrt, ist die Organisation im Vorfeld jedes Mal wieder eine große Herausforderung. Obwohl sich altbewährte Hände daran beteiligen, muss ein ganz neuer Mitarbeiterstab zusammengestellt werden.

Herzlichen Dank für das Interview.

Fotos © www.landesausstellung-ettal.de

Culturcamp-Redaktion,

Kommentare (1)

  • Walter Krombach

    Was die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tirol angeht: Im Allgäu hat das mit dem Tiroler Tannheimer Tal bereits eine lange Tradition, da gibt es sicher Parallelen, die als Modell aufgegriffen werden könnten.