6 Fragen an... Christian Lackner (Zugspitz Region)

Kulturlandschaft
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In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir auf www.culturcamp.de Verantwortliche aus den 5 Modellregionen zu ihren Plänen in ihrer jeweiligen Destination interviewen. Ziel soll es sein einen Einblick in den Arbeitsalltag innerhalb der Regionen zu gewinnen und darüber hinaus, Projektionsflächen für die Arbeitsfelder unserer Leserinnen und Leser zu kreieren. Das dritte Interview zur Zugspitz Region führten wir mit Christian Lackner.

Der in São Paulo, Brasilien geborene, ehemalige Tourismusdirektor auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, ist seit September 2015 Tourismusmanager bei der Zugspitz Region GmbH. Dort engagiert er sich mit seinem Team für die ökologische, ökonomische, kulturelle, soziale und touristische Entwicklung der Region. Das waschechte Nordlicht gab uns einen Einblick in seine alpine Zweitheimat.

1. Lieber Herr Lackner, was reizt Sie an der Arbeit im ländlichen Raum?
Was mich insbesondere in der Zugspitz Region am meisten reizt, ist die Vielfalt von kulturellen sowie traditionsreichen Angeboten und dem aktiven Bewegungserlebnis in der freien Natur. Und das zu wirklich jeder Jahreszeit.

2. Gegen welche Blockaden stoßen Sie regelmäßig?
Die in der Zugspitz Region, d.h. in den Ammergauer Alpen, der Alpenwelt Karwendel, dem Blauen Land, dem Zugspitzland und natürlich in Garmisch-Partenkirchen, beheimateten Museen und Kulturanbieter, setzen sich aus einem breiten ehrenamtlichen Laienengagement auf der einen und den Angeboten großer musealer Institutionen wie der Bayrischen Schlösserverwaltung auf der anderen Seite, zusammen. Die Probleme liegen primär in der fehlenden Erfahrung und dem geringen Gestaltungswillen zur Bildung eines effektiven Netzwerks. Aus der kaum stattfindenden, partnerschaftlichen Zusammenarbeit kann keine beiderseitige Akzeptanz entstehen. Wenn man beispielsweise Schloss Linderhof mit bis zu 450.000 Besuchern pro Jahr betrachtet, fällt ein kleineres Museum, wie das Museum im Bierlinghaus Bad Bayersoien, welches mit einem Bruchteil an Besuchern und geringerer öffentlicher Wahrnehmung konfrontiert ist, leider ab. Diese Distanz bzw. das vermeintliche Konkurrenzdenken gilt es zu überwinden und damit alle am Erfolg der Region teilhaben zu lassen.

3. Welches Projekt würden Sie starten, wenn Sie – ungeachtet der bekannten, schwierigen Budget- und Personalfragen – einfach loslegen könnten?
Ich bin einmal mutig und wünsche mir freien Eintritt zu allen Museen, Theatern und Kulturdenkmälern in der Zugspitz Region. (schmunzelnd) Das wäre doch mal was, oder?

4. Was versprechen Sie sich vom Projekt „Die Destination als Bühne – wie macht Kulturtourismus ländliche Regionen erfolgreich“?
Natürlich ist die Zugspitz Region vor allem für ihre aktiv-touristischen Angebote (Wandern, Wintersport, Klettern, etc.) berühmt. Dennoch wird die Region vom überwiegenden Teil der Besucher als bedeutende Kulturlandschaft mit einzigartigen Monumenten, Museen und Festivitäten geschätzt. Die Kombination aus atemberaubenden Aktiv- und mannigfaltigen Kulturangeboten bieten ein enormes Potential. Statt einem Imagewandel bei den Museen usw. anzusetzen, sollten viel mehr Imagesynergien von Aktiv- und Kulturtourismus gebündelt werden. Ziel des Projekts sollte es aus meiner Sicht also sein, dass wir es alle zusammen – Touristiker sowie Museumsmacher und Kulturanbieter – schaffen, die genannten Probleme (s. Antwort auf Frage 2) zu überwinden.

5. Warum sollten mehr Besucher in Ihre Region kommen und was ist Ihr Geheimtipp für Ausflügler?
Wir freuen uns über jeden Besucher. Wenngleich die Zugspitz Region keineswegs an Besuchermangel leidet. (lacht) Mein Tipp – und so geheim ist der gar nicht – ist eine Wanderung zum Königshaus am Schachen. Zu betonen ist hier das Wort Wanderung. Denn das Königshaus, dass sich der Märchenkönig Ludwig II. von Bayern von 1869 bis 1871 auf dem 1870 Meter hochgelegenen Aussichtspunkt im Wettersteingebirge hat erbauen lassen, ist nur zu Fuß oder per Mountainbike zu erreichen. Per pedes erreicht man das idyllisch gelegene Königshaus binnen 4 bis 6 Stunden. Das, im Vergleich zu den übrigen Märchenschlössern Ludwigs, äußerlich schlichte Bergschlösschen hat es in sich. Dem relativ schlicht – bisweilen bürgerlich – gehaltenen Erdgeschoss steht eine prächtige Überraschung im Obergeschoss entgegen. So etwas erwartet man nach einer eindrücklichen und anstrengenden Wanderung im Gebirge sicherlich nicht. Die Kombination aus Bewegung, Aussicht und Kultur – einzigartig! Die Berggaststätte am Schachen sorgt im Übrigen für die rechte Stärkung für den Abstieg.

In diesem Tipp zeigt sich, dass sich Aktiv- und Kulturtourismus bedingen und miteinander, wunderbare und unvergessliche Erlebnisse für die Besucher kreieren können. Also: Auf zum Schachen!

6. Was planen Sie in Ihrer Region als Nächstes?
Die Bayerische Landesausstellung 2018, mit dem verheißungsvollen Titel „*Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern*“ im Kloster Ettal, ist DAS kommende kulturelle Großprojekt in der Region. Die Schau wird sich nicht nur auf das bedeutende Kloster Ettal als Hauptausstellungsort beschränken, sondern Geschichte und Geschichten, Menschen, Errungenschaften und Bedeutung der Region in eben dieser selbst darstellen und erlebbar machen. Gefördert durch das Kulturtourismusprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wird beispielsweise ein Transmedia-Rätsel entstehen, dass insbesondere Familien auf abenteuerliche und amüsante Weise den Mythos Bayern vermitteln soll. Ich freue mich schon jetzt auf die Eröffnung der Landesausstellung und das Transmedia-Rätsel. Das werden mit Sicherheit nachhaltige Highlights für die gesamte Region.

Vielen Dank für das Interview.

Fotos © Zugspitz Region GmbH

Culturcamp-Redaktion,

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